Die Prätorianer

Die Prätorianer (lateinisch: Praetoriani) waren keine Leibwächter sondern eine Leibgarde!!!

Es gibt einen großen Unterschied zwischen einer Wache und einer Garde! Eine Wache kann sich jede Firma zulegen. Wir alle kennen die Wachmänner, die sich ein paar Euro dazuverdienen wollen. Niemals aber würden wir die Wachmannschaft eines Unternehmens oder einer Behörde usw. als Garde titulieren. Eine Garde steht nur einem Souverän zu!

Als wichtigste Truppe in Rom war sie das Instrument des Kaisers, um Verschwörungen und Rebellionen zu hemmen und Unruhen niederzuschlagen. Ihre Angehörigen waren der Kern der kaiserlichen Macht, konnten allerdings auch seine tödlichsten Feinde werden.

 

Die Anfänge

Bei der Belagerung Numantias, einer Stadt im heutigen Spanien, war es der römische Feldherr Scipio Aemilianus, der die bisherige Militärtradition wandelte. Auf seinen Befehl hin, wurde eigens zum persönlichen Schutz, eine komplette Kohorte aufgestellt, die weder aus Liktoren noch aus Extraordinarii bestand. Die Garde ist von ihrem Ursprung her eine soldatische Elitetruppe. Der Begriff Prätorianer rührt vom Hauptplatz des Legionslagers mit dem Zelt des Feldherrn her, dem Praetorium. Es war Gewohnheit vieler römischer Generäle, aus den Rängen eine private Truppe von Soldaten auszusuchen, die als Leibwache des Zeltes oder der eigenen Person agierten. Diese Truppe bestand sowohl aus Infanterie als auch aus Kavallerie. Diese Männer fungierten ausschließlich als seine persönliche Leibwache und wurden daher von nun an als prätorische Kohorte bezeichnet. Der Anfang war gemacht. In Zukunft folgten viele andere Feldherren Scipios Beispiel und so wurde dieses spezielle Regiment, dass man  „cohors praetoria“ nannte,  auch von namhaften Männern wie etwa Julius Caesar, Marcus Antonius oder Augustus während des Krieges eingesetzt. So z.B. in der Schlacht von Forum Gallorum am 14. oder 15. April 43 v.Chr. in der die Partei der Cäsarmörder als auch die der Cäsaranhänger (Antonius) jeweils zwei Prätorianerkohorten einsetzten. Die prätorianische Kohorte war damit zu einem festen Bestandteil in der Armeestruktur, sowie zu einem Statussymbol des jeweiligen Feldherren geworden.

Die erste Garde, die den Namen Prätorianer trug, wurde um 138 v.Chr. geschaffen. Mehr als alle anderen Einheiten ist sie auf den Feldherrn eingeschworen. Bei einer Garde hat es sich schon immer um eine Elitetruppe gehandelt, die nach strengen Kriterien aus der regulären Armee auserlesen wurde. Eine bestimmte Mindestgröße, körperliche Fitneß, Kraft, Intelligenz, Disziplin, gutes Aussehen, Pflichterfüllung bis zur Hingabe, Treue dem Herrscher und Loyalität dem System gegenüber, das waren die Anforderungen, die seit jeher an einen Gardisten gestellt wurden. Nur die Besten avancierten und über all dem stand der Korpsgeist als ideologischer Überbau. Die cohors praetoria ist schon in den Kriegen der Republik die Kohorte des Praetors, also des Befehlshabers. Mit Beginn der Kaiserzeit verlor der Prätor das Amt des Befehlshabers.

 

Der Beginn

Als Augustus im Jahr 27 v.Chr. Herrscher des römischen Reiches geworden war, entschied er, dass eine derartige Einheit nicht nur im Krieg, sondern auch in der Politik nützlich sein könne, und rekrutierte aus den Rängen der Legionen aller Provinzen die Prätorianergarde. Die Gefolgschaftstreue gegenüber dem Feldherrn wurde erweitert auf die absolute Loyalität gegenüber dem Princeps. Die Truppe, die ursprünglich aufgestellt wurde, unterschied sich erheblich von der späteren Garde. Während Augustus Schutz in der Innenpolitik benötigte, war er gleichzeitig darauf bedacht, den republikanischen Anschein seines Regimes zu wahren. Daher erlaubte er nur die Aufstellung von neun Kohorten mit je 500 Männern, von denen nur drei gleichzeitig ihren Dienst in der Hauptstadt absolvieren durften. Eine geringe Anzahl von Kavallerieeinheiten (turma) von 30 Männern pro Kohorte wurde ebenfalls aufgestellt. Die Dienstzeit betrug für Prätorianer nach Cassius Dio 12 Jahre, für den Rest der Truppe sechzehn Jahre. Während sie unauffällig im Palast und in größeren Gebäuden patrouillierten, waren die übrigen in den Städten der Umgebung Roms stationiert, so dass von diesen einzelnen Kohorten keine Bedrohung ausgehen konnte. Durch die Einsetzung von zwei Prätorianerpräfekten (Quintus Ostorius Scapula und Publius Salvius Aper im Jahre 2 v.Chr. wurde dieses System nicht wesentlich verändert, sondern lediglich die Organisation und das Kommando verbessert. Die Präfekten der Prätorianer wurden immer vom Kaiser ernannt. Diese hatten zunächst in erster Linie den Truppenbefehl über die Garde inne. Doch im Laufe der Zeit vergrößerte sich ihr Kompetenzbereich und weitete sich auf richterliche Aufgaben aus, zunächst in Vertretung des Kaisers ausgeübt, im 3. Jh. jedoch in Form einer selbständigen Gerichtsbarkeit.

 

Die Prätorianer nach dem Tod des Augustus

Augustus´ Tod am 19.August 14 n.Chr. bedeutete auch das Ende des Friedens bei den Prätorianern. Durch die Intrigen ihres machthungrigen Präfekten Lucius Aelius Seianus wurde die Garde aus den italischen Kasernen nach Rom selbst verlegt. Im Jahre 23 überzeugte er den Kaiser Tiberius, dass eine castra praetoria benötigt würde, ein Prätorianerlager, das schließlich knapp außerhalb Roms errichtet wurde. Eine der Kohorten sollte ab jetzt die tägliche Wache im kaiserlichen Palast absolvieren, so dass die Kaiser fortan über die gesamte Garde verfügten, aber ebenso der Gnade der Prätorianer ausgeliefert waren. Das Ergebnis wurde im Jahr 31 deutlich, als Tiberius gezwungen war, sich gegen Seianus auf die Stadtwachen der vigiles zu stützen. Obwohl die Prätorianergarde ihre Treue unter Beweis stellte, wurde in diesem Moment ihr politisches Gewicht offenkundig.

Die Mauern der castra praetoria heute.
Die Mauern der castra praetoria heute.

 

Die Garde zog unter Tiberius erstmals 14 n.Chr. ins Feld als er sich mit Meutereien unter seinen Armeen am Rhein und in Pannonien konfrontiert sah, die sich über ihre Dienstbedingungen beklagten, besonders im Vergleich zu den Prätorianern. Mit den Legionen in Pannonien wurde Tiberius´ jüngerer Bruder Drusus fertig, den zwei Kohorten Prätorianer, ein großer Teil der Prätorianerreiterei und die germanische Leibwache begleiteten. Ferner war der Gardepräfekt Aelius Seianus dabei. Die schlimmsten Unruhestifter und einige, die außerhalb des Lagers umherschweiften, wurden von den Hauptleuten oder den Soldaten der Garde niedergemacht. Die Rebellion der Rheinlegionen schlug Tiberius` Neffe Germanicus nieder, der damals die Legionen und Abteilungen der Garde in einer Invasion Germaniens befehligte. Cassius Charea, der sich später durch die Ermordung des Kaisers Caligula bei der Nachwelt einen Namen machte, tat sich dadurch hervor, dass er sich mit dem Schwert einen Weg durch die ihm entgegenstehende bewaffnete Menge bahnte. Diese Soldaten galten bei Freund und Feind nicht umsonst als gefürchtete Soldaten. So ist aus den germanischen Feldzügen des Germanicus überliefert, dass es bei der Schlacht um den Angrivarierwall es zwei Kohorten der Prätorianer waren, die die cheruskischen Stellungen im Wald als erste angriffen, weit vor den regulären Legionen. Mann gegen Mann wurde hier gekämpft und Arminius und seine Germanen vernichtend geschlagen. Die Prätorianer wurden nie geschlagen. Weder bei Bedria, im heutigen Oberitalien, wo die Prätorianer für den so genannten Aprilkaiser Marcus Salvius Otho stritten, und er den aus Germanien vorstoßenden Truppen des Aulus Vitellius im ersten Treffen unterlag, was zur Folge hatte, das sich Otho nach nur 95 Amtstagen das Leben nahm, noch in der Schlacht an der Milvischen Brücke, in der Maxentius durch ein Unglück ums Leben kam. Diese beiden Schlachten gingen zwar verloren, doch die Garde wurde in diesen Kämpfen nicht besiegt. Auch vor Torheiten seitens der Kaiser waren sie nicht sicher. Zu Caligulas Torheiten zählte, dass er die Garde im Triumphzug auf eine Schiffsbrücke führte, welche den gesamten Golf von Neapel überspannte, und die prätorische Reiterei auf einen grotesken Angriff über den Rhein mitnahm. Die dadurch entstandene Abscheu und der Hass kosteten ihn schließlich das Leben. Weitere größere Erfolge feierten die Prätorianer im Mesopotamischen Krieg, wo viele gegnerische Soldaten schon vor der Schlacht ihr Heil in der Flucht suchten, als sie erfuhren, dass niemand geringeres als die römische Elitegarde selbst, mit ihnen die Waffen kreuzen wollte. Die Prätorianer nahmen an jedem Krieg teil, an dem auch der Kaiser vor Ort war oder jemand aus seiner Familie. Ob bei der Eroberung von Dakien durch Kaiser Trajan oder den Kämpfen gegen die Parther. Prätorianer waren immer dabei.

Einfluss

Während die Garde die Macht besaß, den Kaiser zu töten, spielte sie in der Reichsverwaltung und -politik, abgesehen von Personalentscheidungen im Palast, keine Rolle. Der erste Kaiser, der durch die Hand der Prätorianer fiel, war Kaiser Gaius (Caligula). Als Gaius sich weiterhin in jeder Art verrückt benahm (41 n.Chr.), bereiteten Cassius Charea und Cornelius Sabinus, obwohl Tribunen in der Prätorianergarde, gegen ihn einen Anschlag vor. Ziemlich viele gehörten zu den Verschwörern und wußten um den Plan, unter ihnen Callistus und der Praefectus Praetorio.

(Xiphilinos 171, 13-18, Cassius Dio Buch 59)

 

Nach der Ermordung des Caligula herrschte ein großes Durcheinander auf dem Palatin. Schon bald zeigte sich die Macht der Prätorianer. Inzwischen, während Bewaffnete auf Grund eines Senatsbeschlusses der Familie der Julier, auch der weiblichen Mitglieder, sowie der ganzen Verwandschaft habhaft zu werden versuchen, findet zufällig Vimius aus Epirus, ein Zenturio der Kohorten, die den Kaiserpalast an geeigneten Stellen abriegelten, Titus Claudius, der sich an einem abstoßenden Ort verborgen hielt, und ruft, nachdem er ihn hervorgezogen hatte, seinen Waffenbrüdern zu, wenn sie Verstand hätten, dann sei hier ein Kaiser zur Stelle.

(Aurelius Victor, Die römischen Kaiser 3,17)

 

Claudius wurde anschließend sofort ins Lager der Prätorianer gebracht, wo er zum Kaiser ausgerufen wurde, bevor der Senat geschlossen reagieren konnte. Später, bei der Verschwörung der Messalina, zeigte sich die Garde als sehr loyal gegenüber dem Kaiserhaus und schütze Tiberius vor einem Umsturz. Tiberius entsandte Narcissus, einige Centurionen und den wachhabenden Tribun, um die Hinrichtung zu vollziehen. Der wachhabende Tribun erstach Messalina in den Gärten des Lucullus im Beisein ihrer Mutter. Dann führte er (Narcissus) den Kaiser, der wütend war und Drohungen ausstieß, ins Prätorianerlager, wo die Soldaten schon versammelt waren. Nach einigen einleitenden Worten des Narcissus hielt der Kaiser nur eine kurze Ansprache; denn sein Unwillen, so berechtigt er auch war, hemmte sein Schamgefühl. Darauf folgte ein andauerndes Lärmen der Kohorten, die den Namen der Schuldigen und ihre Bestrafung forderten. (Tacitus, Buch XI, 35)

 

Nachdem Britannicus durch Nero ermordet wurde, handelte man sehr schnell und führte Nero zu den Prätorianern: Endlich, am 13. Oktober mittags, wurden plötzlich die Tore des Kaiserpalastes geöffnet. Nero tritt in Burrus´ Begleitung zu der Kohorte heraus, die nach des Dienstes Brauch die Wache hatte. Hier wird er auf Anweisung des Präfekten mit Jubelrufen empfangen und in eine Sänfte gesetzt. Einige sollen gezögert, sich umgeschaut und gefragt haben, wo denn Britannicus sei. Schließlich aber folgten sie, da keiner etwas anderes veranlaßte, in der angegebenen Richtung nach. Nero wurde ins Prätorianerlager getragen, sagte einige dem Augenblick angemessene Worte, versprach nach dem Beispiel seines Adoptivvaters eine Schenkung und wird dann zum Imperator ausgerufen. Der Willensmeinung der Soldaten schloß sich der Senat an, und auch die Provinzen zögerten nicht. (Tacitus, Buch XII, 69)

Als Nero plante alle Senatoren zu ermorden, die Stadt einzuäschern und nach Alexandria zu fahren, traten die Senatoren in Gespräche mit den Prätorianern und den anderen Truppen, die den Palast bewachten, und überredeten sie, sich mit ihnen zusammenzutun und Hand auf die römische Herrschaft zu legen. Sobald auch diese Truppen dem Plan des Senats beigetreten waren, erschlugen sie sogleich den praefectus praetorio Scipulus und verließen ihren Posten als kaiserliche Leibwache. Als Galba sich Rom näherte kam ihm die Garde entgegen und verlangte von ihm, dass sie die Dienststellung beibehalten könnten. Dieser zögerte jedoch und die Prätorianer schlugen solchen Lärm, dass Galba die Armee gegen sie aufbot. Über 7000 Soldaten fanden bei diesem Kampf den Tod. Von den überlebenden wurde jeder 10. hingerichtet. Als Galba auch noch das von Nymphidius versprochene Geld an die Prätorianer verweigerte, war im Grunde sein Ende schon besiegelt. Er meinte nur: "Ich bin gewohnt, Truppen auszuheben, nicht aber zu kaufen." Kurze Zeit später wurde er auf dem Forum erschlagen und sein Haupt auf einer Stange durch die Stadt getragen. Als Galba, mit einem Schuppenpanzer bekleidet, dorthin eilte, den Aufruhr zu dämpfen, wurde er in der Nähe des Curtius Sees erschlagen,... (Aurelius Victor, Die römischen Kaiser, 6,3)

 

Die Handlung die von Volk und Senat jedoch am meisten missbilligt wurde, folgte mit der berüchtigten Auktion im Jahre 193. Das Attentat auf Commodus war so improvisiert und geheim geplant worden, dass die Verschwörer nicht einmal Zeit hatten, die Nachfolge im Voraus zu regeln. So kam es, dass die Mörder mitten in der Nacht den älteren Helvius Pertinax, der zweimal römischer Konsul und einer der besten Generäle von Marcus Aurelius war, das Amt anboten. Er nahm an und wurde am Neujahrstag 193 n.Chr. Kaiser. Die Berufung war eine Katastrophe, denn Pertinax erwies sich als strenger und unbeliebter Zuchtmeister. Vor allem die Prätorianergarde nahm übel, dass die Gruppe im Palast einen Herrscher ermordet hatten, der ihnen genutzt hatte, und war angesichts dieser Situation sehr beunruhigt. Ein weiterer Fehler war es, dass er von den versprochenen 12.000 Sesterzen nur 6.000 auszahlte. Im März verließen 300 Prätorianer ihr Lager und stürmten den Palast. Als Pertinax sie einzuschüchtern versuchte, töteten sie ihn. Die Prätorianer bestanden darauf, dass niemand ohne ihre vorausgehende Zustimmung Kaiser werden dürfe, doch hatte sie keinen Kandidaten zur Hand. Da erschien außerhalb der Mauern der Castra Praetoria ein reicher Senator namens Didius Julianus. Zahlreiche Anhänger, die Slogans für Commodus skandierten, begleiteten ihn. Dort angelangt, versprach Julianus von der Mauer herab Riesensummen, während der Stadtpräfekt Sulpicianus, der Schwiegervater des Pertinax, vor versammelter Mannschaft den Thron für sich beanspruchte. Nachdem Julianus vor einem Kaiser warnte, der den Tod des Pertinax rächen würde, wurde er ins Lager eingelassen und gewann die Zustimmung der Garde, nachdem er ein höheres donativum an die Soldaten versprochen hatte als sein Rivale. Jedoch erwies er sich als schwacher Herrscher. Unfähig seine Versprechen einzulösen, wurde er daher nach nur zwei Monaten durch plötzlichen Tod aus dem Amt abberufen.

Nachdem am 1. Juni 193 der Senat das Todeurteil über Didius Julianus gefällt hatte war der Weg frei für Septimius Severus. Nachdem Severus auf diese Art Kaiser geworden war, bestrafte er die Prätorianer, die an der Ermordung des Pertinax beteiligt gewesen waren, mit dem Tode, die übrigen ließ er noch vor seinem Eintreffen in Rom zu sich kommen und, ohne dass sie etwas von ihrem künftigen Schicksal wußten, auf einer freien Fläche umzingeln. Als sie dann versammelt waren, tadelte er sie und erklärte:

 

"Als Männer zum Schutz des Kaisers bestimmt tragt ihr eure Schwerter nicht auf der linken, sondern auf der rechten Seite."

Dann nahm er ihnen Waffen wie Pferde und verbannte sie aus Rom.  Nach der Niederlage des Julianus in den Prätendentenkämpfen reorganisierte der Sieger Septimius Severus die Garde. Nach der Entlassung der alten Garde ersezte er sie mit den Soldaten seiner Legionen, die ihn zum Kaiser erhoben hatten. Er ordnete an, dass die Lücken gleichheitlich aus sämtlichen Legionen aufgefüllt werden sollten. Severus tat dies in der Absicht, wackeren Kämpfern eine Art Belohnung bieten zu können.

Nachdem Kaiser Maximus in den Krieg gezogen war, blieben die Veteranen der Prätorianer in Rom zurück. Die Hauptmasse der Garde hatte den Severus Alexander in den Germanenkrieg begleitet und befand sich deshalb bei Maximinus. Zwischen den Veteranen, den Gladiatoren und dem Volk kam es zu solchen Unruhen, dass sich ein Bürgerkrieg entwickelte, der größte Teil der Hauptstadt ging in Flammen auf und die Bevölkerung wurde von den Prätorianern massakriert. Anders als Aurelius Victor es darstellt, wurden jedoch nicht die Veteranen des Maximinus besiegt, sondern diese erschlugen am ersten Tag die Gladiatoren und die aufgestachelte Menge, die sich selbst bewaffnet hatte zurück. Erst als Balbinus den unmündigen Gordian im Purpur auf den Schultern dem Volk vorführte, beschwichtigte er den Aufruhr und man vertrug sich wieder. Diokletian, einst selbst Prätorianerpräfekt, schränkte den Status der Prätorianer im Jahr 284 ein und verminderte die Zahl der Kohorten, sie waren nicht mehr Teil des Palastes, zumal Diokletian auch in Nikomedia lebte, etwa 100 Kilometer von Byzanz entfernt in der Provinz Asia minor. Ein neues Korps, die Jovianer und Herkulianer, ersetzten die Prätorianer als Leibgarde des Kaisers, eine Praxis, die während der Tetrarchie auch funktionierte. Bei seinem Rücktritt am 1.Mai 305 scheint das Castra Praetoria in Rom nur noch eine kleine Garnison gewesen zu sein.

 

Die durch Prätorianer getöteten Kaiser im Laufe der römischen Geschichte:

 

Caligula

Galba

Pertinax

Elagabalus

Pupienus und Balbinus

Carus

Numerian

Probus

 

Organisation

Im Feld waren die Prätorianer jeder Einheit der römischen Armee gleichgestellt. Von den ersten Kaisern nur selten eingesetzt, wurden sie ab dem Jahr 69 wesentlich aktiver. Sie kämpften in der ersten Schlacht von Bedriacum für Otho, unter Domitian und Trajan in Dakien und Mesopotamien, während sie unter Marcus Aurelius Jahre an der Donaufront verbrachten. Obwohl die Prätorianer Ähnlichkeiten mit den Legionstruppen aufwiesen, gab es doch einige Unterschiede.  Ihre Kohorten waren größer, der Sold und die zusätzlichen Leistungen waren besser, und auf ihr militärisches Vermögen war Verlass und sie erhielten höhere Geldgeschenke (donativa) von den Kaisern als die regulären Truppen. Unter Augustus bestanden die Kohorten der Prätorianer aus insgesamt 4.500 Männern, die aus der regulären Armee oder der Jugend von Etrurien, Umbrien und Latinum rekrutiert wurden, später aus Macedonia, Hispania Baetica, Hispania Tarraconensis, Lusitania und Illyricum. Allerdings schreibt Cassius Dio, dass auch Gallier Dienst in der Garde verrichteten. Vitellius bildete eine neue Garde aus den germanischen, Septimius Severus aus den pannonischen Legionen. Darüber hinaus stellte er den Ersatz für die Ränge aus dem gesamten Reich zusammen. Zur Zeit des Augustus, etwa um 5 n.Chr. bestand jede Kohorte der Prätorianer aus 500 Männern, jedoch war, wie bei den anderen Legionen, der sofort einsetzbare Teil wesentlich kleiner. Tacitus berichtet, dass die Zahl der Kohorten im Jahr 47 von neun auf zwölf erhöht wurde, im Jahr 69 wurde sie kurzzeitig auf 16 aufgestockt. Vespasian, der sich auf die verärgerten Kohorten verließ, reduzierte ihre Zahl wieder auf neun, als er den Thron bestieg. Von Domitian wurden sie schließlich wieder auf zehn angehoben, was auch so blieb, so dass im Ergebnis mit den Speculatores eine Elitetruppe von 5.300 Mann zur Verfügung stand.  Mit der Einführung der equites singularis augusti wuchs diese Truppe sogar 6.300 Mann an. Diese berittene kaiserliche Leibgarde unterschied sich anscheinend durch eine ungewöhnliche Stiefelform, die caliga speculatoria. Sie wurden von Trajan als zukünftiger Herrscher Roms wohl in Köln aus den existierenden singulares des Statthalters gegründet. Die Prätorianer waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht von Rom in Köln eingetroffen, um ihn zu beschützen. Manche von ihnen gaben später auf ihren Grabsteinen in Rom an, dass sie aus der CCAA (Köln) stammten. Ab Septimius Severus, der den Sollbestand der Kohorten auf je 1.000 Mann erhöhte, wuchs die Truppe sogar auf 11.300 Elitekämpfer! Cassius Dio bestätigt die zehn Kohorten mit 10.000 Mann. Diokletian verminderte die Anzahl die Prätorianer. Wir wissen allerdings nicht auf welche Größe. Da es im Jahre 306 n.Chr. noch 10 Kohorten gab, muss es sich um die Sollstärke handeln. Das war aber noch nicht alles! Dem Kaiser standen auch noch andere Einheiten zur Verfügung.

Die städtischen Kohorten: Von Augustus gegen 13 v.Chr nach demselben Muster organisiert bestand die Aufgabe dieser drei Kohorten in Polizeiaufgaben. Befehligt wurden sie im 1. Jahrhundert von einem adligen Stadtpräfekten aber im 2. Jahrhundert kamen sie unter den Befehl des Prätorianerpräfekten. Gegen 20-23 wurden sie in demselben Lager wie die Prätorianer einquartiert, wo sie auch bis 270 n.Chr. blieben. Im Jahr 270 ließ ihnen Aurelian ein eigenes Lager bauen, die castra urbana auf dem Marsfeld.

Die Wachkohorten: In Rom selbst befand sich mit den sieben Wachkohorten eine im Vergleich zu den Prätorianern und den urbaniciani erheblich weniger angesehene Truppe. Sie wurde von Augustus im Jahre 6 v.Chr. geschaffen und war von Anfang an zu 1000 Männern pro Kohorte organisiert. Sie bestand aus Männern, die zwei Funktionen ausübten: Nachtwache und ständige Feuerwehr. Die Gliederung Befehligt wurden diese Kohorten von dem oder den beiden Prätorianerpräfekten; diese stammten aus dem Ritterstand. Jede Kohorte hatte einen Tribunen und sechs Centurionen als Offiziere. Die letzteren sind untereinander gleich, mit Ausnahme des Trecenarius, der oberste von allen, dessen Namen sich dadurch erklären läßt, dass er auch die 300 Speculatores (eine andere Leibgarde des Kaisers) leitete und seines Adjutanten, des Princeps Castrorum.

Die Prätorianerkohorten wurden equitatae genannt, sie bestanden also aus einigen Reitern und einer Mehrheit von Infanteristen. Auch die 300 Speculatores waren im gleichen Lager untergebracht und unterstandem dem Befehl des Präfekten. In der unmittelbaren Umgebung des princeps wurde dessen Sicherheit nur von der kaiserlichen Privatreiterei gesichert, die equites singulares augusti, nicht zu verwechseln mit den equites singularis in den Provinzen, die den Legionslegaten und den Statthaltern zugeordnet waren. Von Trajan geschaffen, waren sie auch in einem numerus von ca. 1000 Männern am Anfang des 2. Jahrhunderts organisiert. Als Offiziere hatten sie Dekurionen, einen decurio princeps und einen Tribun (zwei seit Septimius Severus), der dem Prätorianerpräfekten unterstellt war. Sie waren in zwei Lagern einquartiert: zunächst im "alten Lager", dann im "neuen Lager", beide in der Nähe des Laterans.

Von einer Inschrift aus Rom wissen wir, dass die 1. Prätorianerkohorte auch die rächende genannt wurde. "Der heiligen Nemesis des Exerzierplatzes, zu Ehren unserer kaiserlichen Herrscher. Publius Aelius Pacatus, in die Tribus Aelia eingeschrieben, aus Scupi (Stadt in Moesien, heute Uskub) stammend, durch einen Traum veranlaßt, hat reinen Herzens diese Widmung aufstellen lassen, die er gelobt hatte, als er Doktor der Kohorte war, jetzt da er Doktor des Exerzierplatzes ist in der gottesfürchtigen und rächenden I.Prätorianerkohorte".

Wie auch die Legionäre durfte der Prätorianer nicht heiraten. Die Legionäre und auch die Auxiliare durften seit dem Jahr 197 n.Chr. eine Ehe schließen, die Prätorianer nicht! Sie konnten zwar eheähnlich mit Bürgerinnen oder Nichtbürgerinnen zusammenleben, erhielten aber nicht das conubium (Eherecht).

 

Die Ausbildung der Prätorianer

Bevor sie in die Garde aufgenommen wurden, haben sie harte, entbehrungsreiche Dienstjahre in den Legionen verbracht. Sie sind Aufsteiger, die schon oft für Senat und das Volk von Rom ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Ihr Ehrenkodex wird von ihnen selbstherrlich eine Stufe höher angesetzt als jener der Legionen. Sie sind stolz bis zum geht nicht mehr und besitzen einen ausgeprägten Korpsgeist. Die Ausbildung der Gardisten war aufgrund der freien Zeit , die zur Verfügung stand, wenn sie nicht als Wache eingesetzt waren oder mit dem Kaiser reisten, mit Sicherheit intensiver als die in den Legionen, wobei die Garde den gleichen Vorschriften folgte wie die restliche Armee. Auch die Ausrüstung für das Feld war im Grunde die gleiche. Nur die Besten aus den Legionen erhielten die Möglichkeit, in die Elitetruppe der Prätorianer aufzusteigen, und nur die besten Offiziere avancierten als Centurionen oder Tribunen in der Garde. Da die Mindestgröße laut Vegetius 1,72m sein musste, werden die Anforderungen an einen Prätorianer nicht geringer gewesen sein, eher höher. Von Neros eigener Legion wissen wir, dass diese sogar sechs Fuß groß sein mussten, also ca. 1,80 m. Wir dürfen nicht vergessen; ihre wichtigste Aufgabe war es die Sicherheit des Princeps zu gewährleisten. Es ist also logisch, dass dieser sich der besten Soldaten versicherte, sowohl in Friedenszeiten als auch auf Feldzügen. Der Princeps behielt sich ihre Ernennung und Beförderung vor. Sie waren sich bewußt, dass derr Herrscher Ungewöhnliches von ihnen fordern konnte und auch tat. Es ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, dass Tiberius im Jahr 14 seinen Sohn Drusus mit den Prätorianern nach Pannonien schickte, um die Meuterei der dortigen Legionen niederzuschlagen. Wer sonst, außer der Garde, hätte es wagen dürfen, die eigenen Leute zusammenzuschlagen! Nach ihrer Dienstzeit in der Garde konnten die Prätorianer in den Legionen weiterdienen. Sie wurden dort sofort als Centurionen oder Ausbilder der Truppen eingesetzt (evocati augustii). Dies allein zeigt schon die Fähigkeiten, die diese Soldaten mit sich brachten.

Die Bezahlung

 

Die Prätorianer erhielten deutlich höhere Bezüge als die anderen römischen Soldaten. Sie wurden nach einem System bezahlt, das sesquiplex stipendium genannt wurde, was den anderthalbfachen Sold bedeutet.  Zur Zeit des Augustus bekamen Legionäre 225 Denare als stipendium, die städtischen Kohorten in Rom 375 und die Prätorianer 750 Denare.  Die Zahlung erfolgte dreimal im Jahr, im Januar, Mai und September.  Domitian erhöhte das Stipendium der Prätorianer auf 300 (drei Zahlungen =900 Denare),  Commodus auf 375, Severus auf 500 und Caracalla auf 700 Denare. Zu besonderen Anlässen erhielt die Garde vom Kaiser ein donativum. Seit der Erhebung von Claudius durch die Prätorianer beanspruchte die Garde geradezu das Gewohnheitsrecht, beim Regierungsantritt eines neuen Kaisers mit einem donativum beschenkt zu werden. Es machte mindestens den fünffachen Jahressold aus! Wenn ein Prätorianer in den Ruhestand ging, erhielt er 20.000 Sesterzen (5000 Denare), ein Landgeschenk und ein Diplom. Viele wählten den Wechsel zu den Evocati (den Ehemaligen), während andere in Hoffnung auf weiteren Aufstieg und andere Möglichkeiten, hohe Positionen im Reich zu erlangen, sich erneut verpflichteten.

 

Aufgaben der Prätorianer

 

Die Hauptaufgabe der Prätorianer war die Bewachung des Kaiser, seiner Familie und des kaiserlichen Palastes. Sie stellen dem Palast täglich eine Kohorte zum Wachdienst.

 

"Nero trat, begleitet von Burrus, heraus und vor die Kohorte, die nach militärischer Sitte die Wache bildete" Tacitus

 

"Doch dem stand entgegen, dass man auf die Kohorte Rücksicht nehmen musste, die zu diesen Zeitpunkt Dienst tat". Sueton, Otho, 6, 1

 

Sie begleiten den Kaiser und Mitglieder der kaiserlichen Familie stets auf Reisen und in den Krieg. Unter Nero fuhren die Prätorianer den Nil hinauf und kamen laut Seneca sogar bis Meroe. Durch die Reisetätigkeit Hadrians kamen sie fast durchs gesamte Imperium. Sie übten auch eine Art Polizeidienst aus.

 

"...wurde der Auftrag (für Ruhe und Ordnung zu sorgen) an die Brüder Scibonius abgetreten (zwei kaiserliche Legaten Neros). Diesen wurde eine prätorische Kohorte zur Verfügung gestellt. Die Angst vor ihr und einige Hinrichtungen stellten die Eintracht unter der Einwohnerschaft wieder her." Tacitus

 

Auch für die Bekämpfung von Ausständen wurden sie eingesetzt. In Tiberius´s Regierungszeit kam es in ganz Italien zu einem aufkeimenden Sklavenaufstand, der durch den Prätorianertribunen Staius und einer starken Mannschaft im Keim erstickt wurde. Unter Kaisern wie Caligula verrichteten sie auch Dienst als Henker, Folterknechte und allseits gefürchtete geheime Staatspolizei. Allerdings führten sie nicht alles aus, wie folgendes Zitat beschreibt:

 

Burrus erwiderte, die Prätorianer hätten dem ganzen Haus der Caesaren den Treueid geleistet und würden in der Erinnerung an Germanicus dessen Tochter keinesfalls ein Leid antun: Anicetus solle das zu Ende führen, was er versprrochen habe. (Tacitus, Buch XIV, 7)

 

Das Ende der Prätorianer

 

Das Ende der Prätorianer wurde 306 n.Chr. eingeleitet, als Maxentius, Sohn des zurückgetretenen Maximian, als Nachfolger übergangen wurde, und die Truppen sich des Problems eigenhändig annahmen und ihn am 28.Oktober in Italien in die Position des Kaisers erhoben. Severus versuchte auf Befehl des Galerius die Garde aufzulösen, schaffte es aber nur, ihre Reste in die Revolte und die Unterstützung des Maxentius zu jagen.
Als Konstantin I. im Jahr 312 bei den Vorbereitungen seiner Invasion Italiens eine endgültige Konfrontation in der Schlacht an der Milvischen Brücke erzwang, machten die Prätorianer nur einen kleinen Teil von Maxentius´Armee aus. Später in Rom löste der siegreiche Konstantin die Prätorianergarde dann endgültig auf und ersetzte sie durch die scholae palatini und den protectores domestici. Die Soldaten wurden in die verschiedensten Winkel des Reiches versetzt und die Castra Praetoria zerstört.
Nach mehr als 300 Jahren Dienst war die Auflösung der Prätorianergarde ein bedeutendes Ereignis, das den Beginn einer neuen Ära in der römischen Geschichte einleitete. Das Amt des Prätorianerpräfekten blieb allerdings bestehen, bis ans Ende der Spätantike stellte es den wichtigsten Posten innerhalb der zivilen Reichsverwaltung dar.

 

Die Schlacht an der Milvischen Brücke

Berühmt wurde die Milvische Brücke durch die Schlacht vom 28.Oktober 312, in der Konstantin seinen Mitkaiser Maxentius besiegte. Das Christentum interpretierte diesen Sieg später als Triumph über die anderen römischen Religionen. Eine von vielen unsinnigen Behauptungen seitens der christlichen Kirche, um ihre Herrschaft zu begründen.

Eusebius und Lactantius schmückten die Ereignisse mit der Legende vom Kreuz Christi aus, das Konstantin mit dem Hinweis "hoc signo victor eris" (unter diesem Zeichen wirst du Sieger sein oder unter diesem Zeichen wirst du siegen) im Traum erschienen sei. Der Legende nach ließ er seine Truppen ein Kreuz auf die Schilde malen und konnte so den Sieg erringen. Die Tatsache aber dass Konstantin noch zehn Jahre nach der Schlacht beinahe ausschließlich römische Götterdarstellungen auf seine Münzen prägen ließ sowie den Titel Pontifex Maximus und den religiösen Kaiserkult beibehielt, verweisen die Erzählung in das Reich der Fantasie.

 


Nicht göttlicher Beistand hat Konstantin bei der Schlacht geholfen, sondern ein strategischer Fehler des Maxentius, der sein Herr mit dem Rücken zum Tiber aufstellte und sich selbst durch Abbrechen der Milvischen Brücke den Rückzug vereitelte. Es war rätselhaft, nicht nur für moderne Historiker, sondern auch für die Zeitgenossen, dass Maxentius seinen strategischen Vorteil nicht nutzte, sondern die Entscheidung vor den Toren Roms suchte. Rom war schließlich durch die antiken Belagerungsgeräte, die inzwischen so ausgefeilt waren, nicht zu nehmen. Wie so oft sind auch die überlieferten militärischen Einzelheiten nicht klar. Die Milvische Brücke, die wenige Kilometer nördlich von Rom über den Tiber führte, wurde zu Verteidigungszwecken unterbrochen. Maxentius überquerte jedoch mit zahlreichen Truppen den Fluß über eine Schiffsbrücke. Einige Einheiten stießen offenbar bis Saxa Rubra im Norden vor. Dort scheint es zu ersten Gefechten gekommen zu sein, die seine Truppen weichen ließen. Während die Prätorianer sich tapfer für ihren Kaiser schlugen, wurde Maxentius in die Flucht verwickelt. Bei der ganzen Verwirrung stürzte er in den Tiber und ertrank in seiner schweren Rüstung. Für Konstantin war dieser Sieg der entscheidende Schritt zur Alleinherrschaft über das römische Reich.