Unsere Ausrüstung

Die Ausrüstung der Prätorianer

Über Farben der Tunika, des Helmschmuckes oder der Schilder haben wir keine Kenntnisse! Es gibt keine schriftlichen Überlieferungen. Auf keinem Relief oder Grabstein sind Farbreste erhalten. Das einzige, was wir sagen können ist, dass die Farben Purpur und Weiß nicht in Frage kommen. Es gibt zwar ein Mosaik, welches eine Szene am Nil darstellt, wo ein Soldat ein rechteckiges Schild mit sehr großem Skorpion trägt aber ohne Rüstung. Der Soldat trägt eine weisse Tunika mit weissem Helmbusch. Es sind aber auch andere Soldaten mit runden und ovalen Schilden zu sehen. Diese tragen weisse, bläuliche und sandfarbene Tuniken. Dies kann aber auch lediglich eine künstlerische Darstellung sein. Die Wissenschaft datiert dieses Mosaik in die hellenistische Zeit. Auch, ob es sich überhaupt um Römer handelt, wissen wir nicht. Es könnten aber auch griechische Soldaten sein, da die Soldaten z.T. Phrygische Helme tragen und diese sind definitiv griechisch. Es handelt sich somit nicht um Prätorianer!

Da die Farbe weiss für besondere Anlässe vorgesehen war (Opferungen, Priesteramt. Toga candita usw.), fällt diese für den normalen Dienst, wie für jeden anderen Soldaten, aus! Sonst wäre sie ja auch keine besondere Farbe für ein besonderes Gewand. Kaiser Gallienus hat, um die Soldaten auf seine Seite zu ziehen, das Recht, weißgekleidet zu defilieren (parademäßig an jemandem vorüberziehen), auf die Mannschaften erweitert. Diese albata decursio war seit Septimius Severus das Privileg der Zenturionen. Somit kann die Farbe weiß für Legionäre im normalen Dienst nicht in Frage kommen! Auch die Behauptung, dass Centurionen immer rot als Farbe trugen ist schlichtweg falsch und nicht belegbar. Die Darstellung von bestimmten farbigen an Tuniken obliegt also unserer modernen Vorstellung und ist reine Spekulation oder Wunschdenken. Für unsere Darstellung haben wir uns auf die Farben Blau (Kampfanzug), Lila (Camp dress) und Rot (für Offiziere) entschieden. Je nach Einsatz.

Die Prätorianer hatten nach heutigen Erkenntnissen fünf verschiedene Uniformen.

 

Das Friedensgewand (Toga) für den Wachdienst

In der Innenstadt von Rom, dem sog. Pomerium, war das Tragen von Waffen verboten. So trug der Prätorianer in der Regel die Toga ohne sichtbare Waffen.  Selbst die Palastwache zog in der Toga auf, und es durften keine Waffen offen getragen werden.  Sie zu zeigen galt als ungesetzliche Gewaltandrohung.  Tacitus schreibt hierzu:

"Am folgenden Morgen besetzten zwei prätorische Kohorten in voller Rüstung den Tempel der Venus Genetrix. Vor dem Eingang zur Kurie hatte sich eine Menge von Togaträgern gelagert, die aber ihre Schwerter schlecht verbargen, und auf den Marktplätzen und in den Basiliken waren ebenfalls Soldatenabteilungen aufgestellt."

 

Die Paradeuniform


Diese Ausrüstung ist durch das Prätorianer Relief im Louvre, Paris, bestens bekannt. Die Soldaten tragen Helm mit Federbusch, großes Ovalscutum, Tunika, Gladius, Brustpanzer, Calceus equestes und Cingulum. Im Hintergrund sind die Spitzen der Pila zu erkennen.

 

Das Festgewand

Hier kennen wir die Schilderung Herodians, als Severus die Garde ausschalten will:

 

 

...erläßt er ein allgemeines Schreiben an das gesamte Prätorianerkorps, worin er ihnen befiehlt, unter Zurücklassung des gesamten Gepäcks und der Waffenrüstung in friedlichem Aufzug aus dem Lager auszurücken, wie es dem Kaiser, wenn er ein Opfer oder einen Festzug hält, vorauszugehen pflegt. Dann sollte es dem Severus den Huldigungseid leisten... Die Soldaten vertrauten dieser Botschaft. Sie ließen ihre Waffen sämtlich zurück und zogen, nur mit ihren Festkleidern angetan und mit Lorbeerzweigen in den Händen, eiligst hinaus..."  Dies bedeutet nur mit Tunika, Gürtel und Toga.

 

Der "Kleine Dienstanzug" oder camp dress


Diesen Dienstanzug kennen wir von einigen Grabsteinen und dem Cancelleria-Relief . Er besteht aus der Tunika, der Paenula oder dem Sagum, dem Pugio, dem Gladius, dem Cingulum, dem großen Oval-Scutum und dem Pilum mit zusätzlichem Gewicht.

 

Die Feldausrüstung

Diese Ausrüstung, der procinctus, ist auf den großen Reliefplatten des Konstantinbogens, der Trajans- und Aurelsäule dargestellt, erkennbar durch den Skorpion oder der Signa mit Imago, den Zeichen der Prätorianer. Der Ausdruck "esse in procinctu" bedeutet "im Kampfanzug gekleidet zu sein". Die Reliefplatten des Konstantinbogens bestehen aus vier großen Ausschnitten die ursprünglich zusammengehörten. Sie gehörten nach heutigen Erkenntnissen zum Ehrenbogen des Trajan, der heute nicht mehr existiert.  Sie werden als das große Trajanfries bezeichnet. Auf diesen Reliefs werden die Reiter der Prätorianer im Schuppenpanzer und im Kettenhemd dargestellt. Die Helme sind durch den Skorpion auf den Wangenklappen gekennzeichnet und sie tragen eine Helmzier aus Federn und kreisrundem Gebilde. Der normale Prätorianer wird auf dem großen Trajanrelief mit der Lorica Segmentata, Helm mit Skorpion auf der Wangenklappe und Federbusch sowie Rechteckscutum und Caligae abgebildet. Die Cornicen und Tubicen tragen Schuppenpanzer.  Die Ausrüstung entspricht also genau der der gemeinen Legionäre. Aufgrund des höheren Soldes kann man davon ausgehen, das diese Ausrüstung ein wenig filigraner ausgearbeitet war.

Es gibt allerdings auch eine schriftliche Quelle, die über das Aussehen der Prätorianer zur Zeit des Macrinus (Kaiser von 217-218) etwas aussagt:

"Dort errang er (Macrinus), dank der Entschlossenheit der Prätorianer einen Sieg - er hatte nämlich ihre Schuppenpanzer und röhrenförmigen umgreifenden Schilde genommen und sie auf diese Art für die Kämpfe erleichtert-,... Cassius Dio, Buch 79

Wir haben uns bewusst für eine gebläute Lorica Segementata oder besser gesagt Lorica Ferrata entschieden. Sie unterscheidet uns nicht nur von den normalen Legionären sondern erfüllt auch noch einen gewissen Rostschutz. Da auch Pugiones und Helme auf diese Weise bearbeitet wurden ist dieses Erscheinungsbild nicht von der Hand zu weisen und durchaus möglich. Versilberte Beschläge für diesen Panzer als auch für Helme sprechen eher für als gegen dieses Erscheinungsbild. Auch die Helme für den Procintus sind gebläut.

Dazu tragen wir eine dunkelblaue Tunika sowie ein Untergewand mit schwarzen Pteryges aus Leder.

 

Merkmale

Es gibt allerdings noch weitere Punkte, an denen wir Prätorianer von anderen Soldaten unterscheiden können.

° Abzeichen
° Signa und Tierfelle
° Waffen, persönliche Ausrüstung

Abzeichen:

Das es Abzeichen zur Unterscheidung an den Uniformen gab wissen wir, aber wir kennen diese insignia nicht. Tacitus Historien I 38:

"Dann ließ er das Zeughaus öffnen; sofort rissen alle die Waffen an sich, ohne militärische Zucht und Ordnung, so dass sich ein Prätorianer oder ein Legionär durch seine Abzeichen unterschieden hätte. Im Durcheinander bewaffneten sie sich mit Helmen und Schilden der Hilfstruppen..."

Die in Rom lagernden Truppen mussten ihre Waffen im Zeughaus (armamentarium) des Prätorianerlagers abliefern.

Signa und Tierfelle:
Anders die Feldzeichen, die signa.  Sie sind auf dem Grabrelief des Pompeius Asper dargestellt. An diesem Signum ist ein Schild mit der Aufschrift COH.III.PR. angebracht.  Das Signum besteht aus Corona, Namensschild, Skorpion, Mauerkronen, Imago, Viktoria, Adler und einer Speerspitze. Anders als bei den Legionen waren die Signa mit dem Bild des Kaisers geschmückt. Bei den Legionen und den Auxiliaren gab es einen eigenen Imaginifer (Träger der Kaiserstandarte mit dem Bild des Kaisers). Die Feldzeichenträger unterscheiden sich auch insofern, als sie im Gegensatz zu den Feldzeichenträgern der Legionen keine Bärenfelle (Wölfe sind nicht sicher nachzuweisen) trugen, sondern Raubkatzen. Das Tragen von Raubkatzen war ein Privileg der Prätorianer! Somit kann man die Signiferii der Prätorianer von denen der Legionen auch auf der Trajansäule klar unterscheiden.

Unser Schleuderer von den Balearen

 

Blick auf unsere persönliche Ausrüstung